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Google Reader – fortgesetzt

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich Google Reader bewerten soll.
Natürlich sieht der ganze AJAX-Kram nett aus. Das Scrollen von Nachricht zu Nachricht ist flüssig animiert und die Erlenmeyerkolben-Animation beim Warten ist auch nicht schlecht. Das Bedienkonzept erinnert jedenfalls stark an Gmail. Ich weiß aber nicht, ob das in diesem Fall etwas Gutes oder Schlechtes ist. Meinen derzeitigen RSS-Reader Bloglines mag ich gerade deswegen, weil das Bedienkonzept überhaupt nichts mit Emailprogrammen zu tun hat. Ich konsumiere Nachrichten aus RSS-Feeds einfach anders als Emails. Daher erscheint es mir auch sinnvoll, bei beiden Bereichen auf verschiedene Bedienkonzepte zu setzen. Im Emailpostfach ist jede Mail potentiell wichtig und verdient es, individuell betrachtet zu werden. Beim Großteil meiner RSS-Feeds ist das einfach nicht der Fall. Diese konsumiere ich ähnlich wie eine Illustrierte. Ich blättere mal grob durch, lese einen Artikel kurz an, bleibe an diesem oder jenen hängen, überspringe mal ein paar Seiten…
Wenn ich von den allzu vielen Neuigkeiten genervt bin, markiere ich in Bloglines einfach alle Nachrichten als gelesen. Was soll’s, gibt in ein paar Stunden sowieso wieder neue.
Google Reader zwingt mich aber dazu, jede Nachricht einzeln aufzurufen. Erst danach wird sie als gelesen gekennzeichnet. Seitenweises Durchscrollen ist so leider nicht möglich. Schon beim schnellen Lesen kurzer Beiträge fangen auch die AJAX-Features an zu nerven. Ich bin gezwungen auf das Nachladen der nächsten Beiräge zu warten, da Google Reader nicht direkt alle aktuellen Nachrichten anzeigt. Das hemmt meinen Lesefluß.

Ich bevorzuge ohnehin eine „River of News“-DarstellungDave Winer sieht das, nicht ganz uneigennützig, ähnlich. der Feeds. Alle aktuellen Nachrichten werden dabei auf einer einzigen Seite untereinander angeordnet. Zum Lesen scrolle ich dann einfach von oben nach unten durch. Ein Nachladen während des Lesens entfällt.
Bloglines bietet mir diese Art der Darstellung. Ich rufe meine Bloglines-Feeds auf und habe dann alle aktuellen Nachrichten zur Verfügung. Beim Scrollen lese ich die Artikel kurz an, lese hier und da den kompletten Beitrag oder rufe interessante Artikel in Hintergrund-Tabs zum späteren Lesen auf.
Das alles funktioniert bei Bloglines auch ohne AJAX-Features. Zwar wirkt der Dienst mit seiner zweispaltigen Frame-Darstellung, im Gegensatz zu Googles Angebot, recht antiquiert, das Bedienkonzept ist aber stimmig.

Das ist auch meine Kritik am Google Reader. Ich sehe bisher keinen Vorteil bei Googles Herangehensweise an das Thema Feedreader. Die AJAX-Features bringen kaum einen Zusatznutzen. Die Bedienung über Tastaturkürzel ist zwar nett, wäre aber gar nicht erforderlich, wie Bloglines beweist. Scrollen kann ich nämlich ohnehin auch per Tastatur.

Es gibt natürlich auf positive Aspekte.
Der Nutzer wird nicht in Googles Reader eingeschlossen, sondern kann mitsamt seiner abonnierten Feeds jederzeit den Anbieter oder das Programm wechseln. Dazu steht eine Im- und Exportfunktion der Feedliste per OPML-Datei bereit.
Auch die Suchfunktionen sind hervorzuheben. Neue Feeds lassen sich beispielsweise per Stichwortsuche finden und einfach per Mausklick abonnieren. Google Reader spürt dabei automatisch den RSS-Feed der ausgewählten Websites auf.
Eine Anbindung an andere Google-Dienste, wie Gmail und Blogger.com, ist vorhanden. Enclosures aus Podcast-Feeds können direkt mit einem integrierten Player wiedergegeben werden.

Insgesamt ist Google Reader schon ganz nett. Bisher konnte ich aber nicht den ultimativen Grund für einen Wechsel zu diesem neuen Dienst finden. Zumal mich das Bedienkonzept nicht wirklich überzeugen kann. Es bleibt wohl einfach Geschmackssache, welche Art von RSS-Reader man als Benutzer favorisiert. Ich fühle mich derzeit bei Bloglines gut aufgehoben, werde Google Reader aber erstmal parallel einsetzen und weiter im Auge behalten.

Kategorie: Allgemein | Tags:
08.10.2005 - 11:32 |

Kommentare RSS

  1. Roland   ( 10.10.2005 09:29 )

    Das sehe ich ganz genau so. Feeds konsumiere ich auch nicht wie E-Mails und daher halte ich die darstellung in Bloglines für optimal. Verschiedene Desktop-Reader, die ich ausprobiert habe, lehnen sich leider auch eher an E-Mail-Darstellung an, und ich habe bislang kein Tool gefunden, das eine Darstellung wie in Bloglines anbietet.

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