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Zen Touch, Linux, Musik und mehr

Seit einigen Monaten besitze ich den Zen Touch von Creative. Das Gerät ist zwar etwas klobiger und schwerer als ein iPod, bietet aber 20 GB Speicherplatz, einfache Bedienung, lange Akku-Laufzeit und vor allem sehr gute Klangqualität (wenn man die mitgelieferten Ohrhörer entsorgt und auf hochwertigere Schallwandler zurückgreift). Zum Preis von ca. 200 Euro ist der Zen Touch ein empfehlenswerter MP3-Player, zumal Creative sich bei diesem Gerät ausschließlich auf das konzentriert, was ein tragbares Musikabspielgerät können sollte: Musik wiedergeben. Auf anderen Schnickschnack wurde komplett verzichtet. Man kann keine Bilder anschauen, keine Termine verwalten, nicht spielen und auch Tonaufnahmen sind nur mit Zubehör möglich. Dafür gibt der Player Audiodateien (MP3, WMA, WAV) in hervorragender Qualität wieder.

Leider wurde aber auch an anderer Stelle Verzicht geübt. Es stört mich ja nicht, daß man eine Software benötigt, um den Player mit Musik zu befüllen. Das Duo aus iPod und iTunes gefällt mir sogar sehr gut. Leider ist Creatives Softwarelösung weniger gelungen. Unübersichtlich, instabil und nur für Windows verfügbar. Darüberhinaus verweigert die Kombination aus Zen Touch und Creative MediaSource bei einigen (fehlerfreien) MP3-Dateien hartnäckig die Zusammenarbeit. Erst nach dem Neukodieren über die Creative-Software gelingt es, die Lieder auf den Player zu laden.

Da ich seit einiger Zeit fast ausschließlich unter Linux arbeite und für jede Neubefüllung des Zen Touch extra Windows booten und mich mit der Software herumärgern musste, war das eine recht unbefriedigende Situation. Glücklicherweise gibt es auch unter Linux Möglichkeiten, den MP3-Player zur Zusammenarbeit zu bewegen. Eine davon heißt Gnomad2 und ist ein simpleres Linux-Pendant der MediaSource-Software. In Zusammenarbeit mit der libnjb-Bibliothek ist es möglich, MP3-Player aus der Creative Nomad-Familie zu befüllen. Dies gelingt problemlos. Darüberhinaus kann der Zen natürlich auch als Datenspeicher verwendet werden.

Gegenüber der Windows-Lösung bietet Gnomad sogar noch einen weiteren Vorteil: Musik kann auch vom Player auf den Computer transferiert werden. Gerne werden in diesem Zusammenhang urheberrechtliche Argumente angeführt. Ich sehe jedoch nicht ein, warum ich mich mit einer Dateneinbahnstraße zufrieden geben sollte. Ich besitze zahlreiche CDs, die ich alle legal erworben habe. Die darauf gespeicherte Musik möchte ich überall und jederzeit abspielen können. Natürlich schließt das die Wiedergabe auf meiner Musikanlage, das Autoradio, den Computer und auch den MP3-Player mit ein. Wenn ich meinen Computer mal neu aufsetzen muß möchte ich auch nicht alle CDs mühevoll erneut rippen oder gar alle Lieder erneut kaufen müssen. Stattdessen möchte ich ganz einfach die MP3-Dateien von meinem mobilen Player wieder auf den Rechner kopieren.

Leider stellt die Musikindustrie sich die Sache aber ganz anders vor. Es wäre natürlich in deren Interesse, wenn ich für jedes Gerät bzw. jede Wiedergabeart die Musik erneut kaufen müsste. Eine CD für die Stereoanlage, ein MP3-File aus dem Online-Musikkatalog für den Computer, ein Klingelton fürs Handy usw. Da niemand freiwillig auf die Idee käme, für ein und dieselbe Sache mehrfach Geld auszugeben, droht man mit der juristischen Keule. Stichwort legale Kopie bzw. Umgehung eines Kopierschutzes. Demnach ist es zwar nicht strafbar, für den eigenen privaten Gebrauch eine CD zu rippen, jedoch nur wenn dabei kein Kopierschutz umgangen wird. Hier wird es jetzt wirklich absurd. Der sogenannte „Kopierschutz“ besteht häufig darin, daß nicht-standardkonforme CDs auf den Markt gebracht werden. Laufwerke in Computern sollen etwa durch provozierte Lesefehler am Auslesen der CD gehindert werden. Handelt es sich dabei aber um einen wirksamen Kopierschutz? Vielleicht besitze ich ja ein CD-Laufwerk, daß über eine ausgesprochen gute Fehlerkorrektur verfügt und bemerke den „Kopierschutz“ gar nicht.
Noch interessanter wird es in den Fällen, bei denen ein kleines Programm auf der CD das Auslesen in hochwertiger digitaler Qualität verhindern soll. Dieses Programm läuft aber nur auf Windows- vielleicht auch noch auf Apple-Rechnern. Handelt es sich hierbei um einen wirksamen Kopierschutz? Unter Linux bemerke ich zumindest nichts von diesem „Schutz“. Auch unter Windows genügt ein einfaches Ausschalten der Autostart-Funktion um ganz normal auf die CD zugreifen zu können.

Sollte letzten Endes ein Aufdruck auf der CD-Verpackung mit dem Text „Diese CD ist kopiergeschützt.“ als Nachweis der Wirksamkeit eines Kopierschutzes ausreichen?

Aus meiner Perspektive wirken die Kopierschutzmaßnahmen reichlich verzweifelt und lächerlich. Die Musikindustrie vergisst leider, daß eine wichtige Grundlage für den geschäftlichen Erfolg in zufriedenen Kunden besteht. Gerade die Kunden, die legal Musik erwerben, werden aber von der MI durch allerlei Schikanen verärgert. Leute, die „Raubkopien“ aus Tauschbörsen beziehen, bemerken von den Kopierschutzmaßnahmen nichts.

Die Filmwirtschaft ist in dieser Hinsicht leider nicht besser. Auf die Preisgestaltung will ich hier gar nicht näher eingehen. Ich kaufe dennoch DVDs und blättere dafür einen nicht unerheblichen Geldbetrag hin. Zum Dank darf ich mir vor Beginn des eigentlichen Films Belehrungen über Raubkopien ansehen, die ich obendrein noch nicht einmal überspringen kann und werde unter den Generalverdacht des Raubkopierens gestellt. Hallo? Irgendetwas scheinen die Verantwortlichen in diesem Zusammenhang nicht begriffen zu haben. Ich habe dies DVD bezahlt und sehe sie mir im Original an. Leute, die Filme als Raubkopie aus Tauschbörsen beziehen, kommen erst gar nicht in den „Genuß“ der „Nur legal ist…“-Kampagne. Natürlich werden die „Belehrungen“ vorher herausgeschnitten…

Genug der Aufregung. Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Sätze über den Zen Touch schreiben…

Kategorie: Allgemein, Anleitungen/Tipps | Tags:
10.04.2005 - 12:57 |

Kommentare RSS

  1. InSaNe_LiZzArD   ( 25.01.2006 05:39 )

    Entspricht genau alles meiner Meinung ^^ …
    Der Zen Touch ist ein tolles Stück Hardware, auch wenn ich manchmal neidisch zum stylischen ipod rüber schiele… ^^
    Aber seid neuem gibts ja dieses „PlayForSure“ Firmware-Update, wodurch der Player ja als stinknormale Festplatte/Wechseldatenträger erkannt wird… (Auch wenn ich seitdem Update irgendwie denke, dass der Player dadurch eine Macke hat; stottert bei der Wiedergabe manchmal wie ein CdPlayer ohne Antishock :( ;könnt aber auch daran liegen, dass ich bisher die Defragmentierungs-Option nicht genutzt habe :P )

    Zu den Firlefanz den die Musik und Filmindustrie da treibt…

    In Deutschland läuft doch eh nixmehr mit rechten Dingen zu.
    Die Dinger die die Kopierschutz nennen kosten den ehrlichen Käufer zusätzlich noch unnötig Geld und bewirken noch nichtmal irgendwas, wie du ja schon gesagt hast… Ich verstehe auch nicht worin der Unterschied besteht, wenn ich eine Cd über den optischen Eingang aufnehme und dann die MP3 per ID3-Tag editor beschrifte, oder direkt , mit z.B. Windows Media Player, rippe, welcher die ganze Arbeit noch für einen erledigt (Dateinamen; ID3-Tag-Infos etc. und sogar noch ein Bild des Covers in den MP3 einbettet)…
    Am Ende kommt das Selbe bei raus. -_-

    Naja… Netter Bericht/Blogeintrag ^^… Weiter so :P
    MfG.
    Lizzard

  2. CHRiSNEW   ( 30.09.2007 22:23 )

    Guter Text, reflektiert größtenteils meine Meinung.
    Kumpel von mir hatte mal’n Zen Touch angeschleppt und wollte paar Lieder haben. Zu dumm, dass ich die Tools für’s Befüllen unter Linux nicht kannte.

 

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